Gewässerperle PLUS
Willkommene Abkühlung auf einer Sommerwanderung © Schweizer Wanderwege

Erholung am Wasser: Warum natürliche Gewässerlandschaften für uns Menschen unverzichtbar sind

Ob plätschernder Bach oder rauschender Fluss: Wasser übt eine besondere Anziehungskraft auf uns Menschen aus. Doch je beliebter ein Gewässer als Erholungsraum wird, desto grösser die Herausforderung, sensible Lebensräume zu schützen. Wie die Schweizer Wanderwege, eine Partnerorganisation des Labels Gewässerperle PLUS, diesen Balanceakt meistern.

Wasser zieht Menschen seit jeher an. Ob ein stiller See, ein mäandrierender Fluss oder ein wild rauschender Bergbach – natürliche Gewässer gehören zu den beliebtesten Erholungsräumen überhaupt. Naturbelassene oder revitalisierte Gewässer sind für Flora, Fauna und uns Menschen Rückzugsorte von unschätzbarem Wert: Natürliche Gewässer sind nicht nur physische Lebensgrundlage, sondern wirken sich auch nachweislich auf die psychische Gesundheit und unser Wohlbefinden aus. Das Rauschen des Wassers, die wechselnden Lichtreflexe, die kühlende Komponente und die natürliche Dynamik von Flüssen und Bächen schaffen eine Umgebung, die Stress reduziert und zur Entspannung beiträgt.

Je nach Bedürfnis bieten natürliche Gewässerlandschaften einen Ort der Ruhe zum Innehalten, für Bewegung inmitten natürlicher Elemente und für Naturbeobachtungen. Ihre hohe strukturelle Vielfalt wie z.B. Kiesbänke, Flachwasserbereiche, Auen, Ufergehölze und unterschiedlich starke Strömungen schaffen ein breites Spektrum an biodiversen Ökosystemen und abwechslungsreichen Landschaftsbildern, welche sich auch im Verlauf der Jahreszeiten immer wieder verändern. Diese Vielgestaltigkeit macht natürliche Gewässer für Erholungssuchende besonders attraktiv und bietet auch bei wiederholten Besuchen immer wieder abwechslungsreiche Naturerlebnisse.

Die gelbe Signalisation weist den Weg © Schweizer Wanderwege

Der Balanceakt zwischen Naturerlebnis und Naturschutz

Als standortgebundene Anlagen von öffentlichem Interesse sind die Wanderwege eine der wenigen Infrastrukturen in der Schweiz, die in Gewässerräumen zugelassen sind und Bewegungsraum für Erholungssuchende bieten. Linienführungen entlang von Gewässern sind auch konkreter Bestandteil der anzustrebenden Qualitätsziele für die Schweizer Wanderwege im Sinne der Erhöhung des Erholungswerts. Aktuell verlaufen rund 10% des Wanderwegnetzes, d.h. rund 6500 km entlang von Gewässern. Die Möglichkeit des direkten Kontakts mit Wasser erhöht die Attraktivität einer Wanderung erheblich, insbesondere bei zunehmend hohen Temperaturen in der Sommersaison. Gleichzeitig sind Uferzonen oft ökologisch besonders sensible Lebensräume. Daraus ergibt sich für die kantonalen Wanderweg-Verantwortlichen eine anspruchsvolle Aufgabe: Sie sollen attraktive Wandererlebnisse ermöglichen und zugleich empfindliche Naturwerte schützen.

Bei der Planung und Konzipierung von Wanderwegen entlang von Gewässern wird deshalb u.a. auf folgende Aspekte geachtet:

  • Besucherlenkung: Eine attraktive Linienführung unter Berücksichtigung von Schutz- und Brutgebieten wirkt an sich lenkend und erhöht die Akzeptanz für sensible Lebensräume.
  • Abstimmung mit Revitalisierungsprojekten: Gewässeraufwertungen sind oft win-win-Situationen, wobei Wanderwege attraktiver gestaltet und die Natur besser erlebbar gemacht werden kann.
  • Sicherheit vor Hochwasser: Trotz erhöhter Gewässerdynamik sollen Wege auch bei wechselnden Wasserständen sicher und konstant begehbar bleiben.
  • Nachhaltige Routenplanung vor aufwändigem Infrastrukturausbau: In erster Linie schätzen Erholungssuchende einen naturnahen, extensiven Ausbaustandard, d.h. Trampelpfade ohne Hartbelag. Wenn befestigte Trassen nötig sind, sollen regionale oder sogar lokale Baumaterialien eingesetzt werden, um den Bauprozess nachhaltiger zu gestalten und zugleich eine naturnahe Optik zu gewährleisten.
Sensibilisierungskampage «Aufs Wasser mit Rücksicht» © Verein Natur und Freizeit

Sensibilisierung für einen respektvollen Umgang mit Gewässerräumen

Die Verantwortung endet jedoch nicht bei der Infrastruktur. Die Schweizer Wanderwege engagieren sich gemeinsam mit Partnerorganisationen auch für die Sensibilisierung der Bevölkerung. Denn selbst die attraktivsten Wege können ihre Erholungswirkung nur entfalten, wenn sich die Nutzenden rücksichtsvoll verhalten.

Ein aktuelles Beispiel ist die Kampagne «Aufs Wasser mit Rücksicht» des Vereins Natur & Freizeit. Die Kampagne sensibilisiert Wassersporttreibende und Erholungssuchende für den Schutz von Wildtieren und empfindlichen Lebensräumen an Seen und Flüssen und vermittelt vier einfache Verhaltensregeln:

  1. Abstand zum Schilf halten
  2. Kiesinseln und Sandbänke meiden
  3. Vogelansammlungen grossräumig umgehen
  4. Schutzgebiete respektieren (Wegführung einhalten)
Sensibilisierungskampagne «Aufs Wasser mit Rücksicht» © Verein Natur und Freizeit

Obwohl die grossen Hitzenwellen für dieses Jahr vorüber sind, scheint folgende Ergänzung sinnvoll: In Gewässern, die aufgrund lang anhaltender Hitze und Trockenheit sehr tiefe Wasserstände haben, sollte auf das Baden verzichtet werden. So hat dieser Sommer klar gezeigt, dass Fische und Wasserlebewesen stark unter dem Sauerstoffmangel aufgrund der hohen Temperaturen und dem wenigen Wasser litten, weshalb jede zusätzliche Störung durch badende Menschen und Hunde verheerend sein kann.

Wandern im Einklang mit den Gewässerperlen

Hast du die Verhaltensregeln verinnerlicht? Dann lass dich von den Wandervorschlägen inspirieren und mache dich auf zu den Ufern der Gewässerperlen. Oder wirf einen Blick ins Magazin der Schweizer Wanderwege rund ums Thema Wasser.