Thur- und Neckerweg – Achtsam durch das Toggenburg
Der Thur- und Neckerweg ist ein rund 80 Kilometer langes Wegnetz entlang der Flüsse Thur und Necker im Toggenburg. Er verbindet bestehende Wanderwege zwischen Wildhaus, der Schwägalp und Bazenheid und führt durch Flusslandschaften, Wälder, Moore, Wiesen und Dörfer. Entstanden ist dabei nicht einfach ein weiterer Wanderweg, sondern ein Erlebnis, das dazu einlädt, die Landschaft bewusster wahrzunehmen und sich mit ihr auseinanderzusetzen.
Bei der Entstehung des Thur- und Neckerwegs stand die Frage im Mittelpunkt, wie Menschen einer Landschaft begegnen. Oft werden Wege vor allem genutzt, um von einem Ort zum nächsten zu gelangen. Das Wegnetz im Toggenburg verfolgt bewusst einen anderen Ansatz: Er lädt dazu ein, langsamer zu werden, genauer hinzusehen, zuzuhören und Zusammenhänge zu entdecken.
Dabei verbindet der Weg nicht nur geografisch die Flusstäler von Thur und Necker. Er schlägt auch Brücken zwischen Natur und Kultur, zwischen Vergangenheit und Gegenwart sowie zwischen Menschen und ihrer Umgebung. Entlang der Route entstehen immer wieder Berührungspunkte mit den Geschichten, Traditionen und Besonderheiten der Region. Die Natur wird dabei nicht als Kulisse verstanden, sondern als Lebensraum, Kulturraum und Inspirationsquelle zugleich.
Verschiedene Interventionen aus regionalem Holz entlang der Route regen zum Innehalten und Beobachten an: Ruheoasen aus regionalem Holz schaffen Orte zum Verweilen. Kunstwerke verschmelzen im Dialog mit der Umgebung. Zahlreiche Geschichten zu Natur, Kultur, Brauchtum, Handwerk, Geschichte, Klang und Kulinarik eröffnen neue Perspektiven auf die Landschaft. Sie erzählen von Besonderheiten der Region, von traditionellen Nutzungsformen, von kulturellen Eigenheiten und von der engen Verbindung zwischen Mensch und Landschaft.
Ein wichtiger Bestandteil des Weges sind zudem sogenannte Achtsamkeits-Impulse, die Themen wie Wahrnehmung, Stille, Langsamkeit, Naturverbundenheit, bewusste Atmung oder Präsenz aufgreifen. Dabei werden die Besucherinnen und Besucher eingeladen, die Aufmerksamkeit auf ihre Umgebung zu richten, Geräusche wahrzunehmen, den Blick schweifen zu lassen oder die Natur für einen Moment ohne Ablenkung auf sich wirken zu lassen.
Der Thur- und Neckerweg versteht sich aber nicht nur als Ort für individuelle Erfahrungen. Er schafft auch Raum für Begegnungen. Drei Naturbühnen in Nesslau, Lichtensteig und Necker bieten die Möglichkeit, Workshops, Kurse, Vereinsanlässe oder gemeinsame Aktivitäten mitten in der Landschaft durchzuführen. Der Weg wird dadurch zu einem Ort des Austauschs und des gemeinsamen Lernens.
Gleichzeitig entwickelt sich der Thur- und Neckerweg zunehmend zu einem ausserschulischen Lernort. In Zusammenarbeit mit der Dogo Residenz für Neue Kunst und Artefix Kultur und Schule entstanden unter dem Titel «Kunst am Fluss» Vermittlungsangebote für Schulklassen. Die Kinder setzen sich dabei direkt vor Ort mit den Kunstwerken entlang der Route auseinander und entdecken die Landschaft durch Beobachtung, Gespräche und eigene gestalterische Erfahrungen.
Der Thur- und Neckerweg zeigt, wie bestehende Wege neu gedacht werden können. Nicht als reine Infrastruktur für Freizeitaktivitäten, sondern als Möglichkeit, Menschen mit ihrer Umgebung in Beziehung zu bringen. Natur, Kultur, Wissen, Begegnung und persönliche Erfahrungen verbinden sich zu einem Weg, der dazu einlädt, die Landschaft bewusst und mit allen Sinnen zu entdecken.
Der Thur- und Neckerweg ist gut an den öffentlichen Verkehr angeschlossen. Dadurch sind kurze Spaziergänge ebenso möglich wie Tageswanderungen oder mehrtägige Touren.
Weitere Infos: www.thurundneckerweg.ch