Trockene Bäche, gestresste Fische: Wir brauchen klimafitte Gewässer
Der Sommer 2026 in der Schweiz war der heisseste seit Messbeginn – und eine Extrembelastung für unsere Bäche und Flüsse. Was klimaangepasste Fliessgewässer auszeichnet und welche Massnahmen dazu beitragen, dass Gewässer solche Extremsommer künftig besser überstehen.
Die Monate Juni bis August 2026 waren in der Schweiz die heissesten seit Messbeginn. Nicht nur wir Menschen litten unter den zahlreichen Hitzewellen. Viele Abschnitte in Bächen und Flüssen trockneten aus. Unzählige Fische, Krebse und andere Gewässerorganismen verendeten.
Klimawandel trifft auf verbaute Gewässer
Hitze- und Trockenperioden werden durch den Klimawandel häufiger und intensiver. Wie hart sie ein Gewässer treffen, hängt massgeblich davon ab, wie viel natürliche Widerstandsfähigkeit diesem bleibt. Begradigte Bäche ohne Tiefenvielfalt erwärmen sich schneller, fehlende Ufervegetation lässt das Wasser schneller erhitzen und verdunsten, und Querverbauungen verhindern, dass Fische in kühlere Abschnitte ausweichen können. Der Diegterbach, der eingeengt und verbaut durch Sissach (BL) fliesst, zeigt das exemplarisch – im Sommer 2026 trocknete er stellenweise komplett aus. Wie eine BAFU-Studie zeigt, sind rund 9'000 von 38'000 untersuchten Kilometern Kleingewässer in der Schweiz in schlechtem Zustand, 4'500 Kilometer eingedolt.
Was Gewässer klimafit macht
Natürliche oder naturnahe Fliessgewässer mit guter Vernetzung, ausreichender Beschattung im Oberlauf und genügend Gewässerraum können Hitze und Trockenheit besser abpuffern und sind dadurch widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels. Gewässerperle PLUS setzt bei der Auszeichnung von Fliessgewässern auf Kriterien, welche klimaangepasste Gewässer ausmachen:
- Natürliche Morphologie: Unverbaute Gewässer weisen eine grössere Vielfalt an Tiefen und Strömungsverhältnissen auf. Tiefere, kühlere Bereiche können bei Niedrigwasser als Rückzugsorte für Fische dienen.
- Natürliche Wasserführung: Frei fliessende Bäche und Flüsse mit ausreichender Wasserführung ermöglichen es Fischen, bei Hitze und Trockenheit kühlere und wasserreichere Bereiche aufzusuchen.
- Gesundes Gewässerumfeld: Mit beschattender Ufervegetation heizt sich das Wasser weniger stark auf.
- Gute Wasserqualität: Bei Niedrigwasser werden Schadstoffe und Nährstoffe weniger verdünnt. Eine gute Wasserqualität ist deshalb gerade bei Hitze und Trockenheit besonders wichtig.
- Klimaadaption im Entwicklungsplan: Die lokalen Akteur:innen verankern Klimaanpassungsmassnahmen verbindlich im Fünf-Jahres-Plan des Abschnitts.
Vielfältige und konkrete Massnahmen sind notwendig
Um Gewässer, die nicht mehr natürlich fliessen, wieder in einen naturnäheren Zustand zu versetzen, braucht es eine Vielfalt an Massnahmen und die Zusammenarbeit von Behörden, Landwirtschaft, Kraftwerksbetreiber:innen, Naturschutzorganisationen und weiteren Akteur:innen.
Aqua Viva, Partnerorganisation des Labels Gewässerperle PLUS, engagiert sich auf mehreren Ebenen für widerstandsfähigere Gewässer. Mit dem Projekt «Fluss frei!» unterstützt Aqua Viva Gemeinden und Kantone beim Rückbau von Wanderhindernissen, wie bei der Entfernung eines altes Wehrs in Diessenhofen (TG). Über 170'000 künstliche Hindernisse unterbrechen Schweizer Fliessgewässer, mit gravierenden Folgen für Fischbestände. Bei «Lebendiger Dorfbach» steht die Förderung der Revitalisierung kleiner Fliessgewässer im Zentrum, die 75 Prozent des Schweizer Gewässernetzes ausmachen und bei denen der grösste Aufholbedarf besteht. Auch bei Sanierungen von Wasserkraftanlagen bringt sich Aqua Viva in Begleitgruppen ein, um Fischauf- und -abstiege sowie ausreichende Restwassermengen sicherzustellen – so beim Kraftwerk Emmenweid an der Kleinen Emme, wo dank jahrelanger Verhandlung und dem Engagement von WWF und Aqua Viva heute auch Äschen, Barben und Seeforellen wieder wandern können. Der Einsatz von Aqua Viva und weiteren Organisationen für höhere Restwassermengen unterhalb von Kraftwerken trägt zum Überleben der Gewässer auch bei Hitze und Trockenheit bei.
Der Hitzesommer 2026 hat gezeigt, wie verletzlich Schweizer Gewässer sind: So stiessen teils auch einzelne Aufwertungsmassnahmen angesichts zunehmender Hitze und Trockenheit an ihre Grenzen. Ganzheitliche Massnahmenpakete sind deshalb dringend gefragt, damit Bäche und Flüsse künftige Hitzeperioden besser abpuffern können. Je naturnäher und besser vernetzt ein Gewässer ist, desto widerstandsfähiger ist es gegenüber den Folgen von Hitze und Trockenheit.
Weitere Infos: www.aquaviva.ch