Gewässerperle PLUS
Elritzen während der Laichzeit © Jonas Steiner / SFV

Unscheinbar und doch unverzichtbar: Die Elritze

Lange spielte die Elritze in Forschung und Öffentlichkeit kaum eine Rolle. Neue Erkenntnisse zeigen nun, wie vielfältig diese Art tatsächlich ist. Gleichzeitig macht ihr Rückgang deutlich, wie stark unsere Gewässer unter Druck stehen – und wie wichtig selbst kleine Arten für das ökologische Gleichgewicht sind.

Auch wenn der Name wohl den Wenigsten etwas sagt, sind wanderbegeisterte Menschen durchaus bereits mit der Elritze in Berührung gekommen – im Wortsinn. Es sind die kleinen Fische, die beim Sprung in den kalten Bergseen neugierig an den nackten Zehen knabbern. In hochalpinen Seen waren sie ursprünglich gar nicht heimisch, sondern wurden im Mittelalter von Menschen angesiedelt.

Unerwartete Vielfalt und hohe Ansprüche

In diesem Jahr hat der Schweizerische Fischerei-Verband (SFV) die Elritze zum Fisch des Jahres gekürt. Damit soll auch deutlich werden, «wie wenig Wissen über viele Fischarten in der Schweiz vorhanden ist – insbesondere wenn diese, wie die Elritze, kulinarisch uninteressant sind», führt David Bittner, Geschäftsführer des SFV, aus. Lange ging man davon aus, dass es in der Schweiz nur eine Elritzenart gibt. Neue Forschungen zeigen nun, dass es mindestens vier genetisch klar unterscheidbare Arten gibt, die an jeweils unterschiedliche Lebensräume angepasst sind.

Elritzen kommen in der Schweiz entsprechend in kleinen Bächen, Moortümpeln, Flüssen und grossen Seen gleichermassen vor. Sie bevorzugen klares, flaches und sauerstoffreiches Wasser – in Seen und grossen Fliessgewässern halten sie sich in Ufernähe auf. Entscheidend sind strukturreiche Gewässerböden mit Kies, Geröll, Wasserpflanzen und insbesondere Totholz: Sie bieten Schutz vor Feinden und geeignete Plätze zum Laichen.

Duftende Alarmsignale und optische Reize

Die Fische sind ungefähr so lang wie ein menschlicher Finger und leben in grossen Schwärmen. Das dichte Gewimmel verwirrt Fressfeinde. Zusätzlich schützen sich Elritzen durch ein biochemisches Warnsystem: Wird ein Fisch verletzt, sondern spezielle Hautzellen einen sogenannten Schreckstoff ab. Die Artgenossen reagieren sofort mit Flucht und erhöhter Vorsicht.

Zur Laichzeit im Frühling oder Sommer verwandeln sich die sonst gut getarnten Männchen in farbenprächtige Schönheiten: Lippen und Bauch leuchten blutrot, die Flanken smaragdgrün und auf dem Kopf bildet sich ein weisser Ausschlag (Laichausschlag), der den Berührungsreiz verstärkt.

Der Mässerbach im Binntal VS © Landschaftspark Binntal

Zentrales Bindeglied und ökologischer Kompass

Durch wasserbauliche Massnahmen – wie die Verlagerung von Bächen in den Untergrund (Eindolung), die Kanalisation von Flüssen und die Trockenlegung von Mooren – ist die Elritze in den letzten 150 Jahren aus grossen Teilen des Flachlands verschwunden. Hinzu kommt: Für die vergleichsweise schwache Schwimmerin stellen bereits kleine Schwellen in einem Bach ein unüberwindbares Hindernis dar.

Dabei spielt die Elritze in der Nahrungskette eine entscheidende Rolle. Sie frisst Plankton, Insektenlarven und Kleinkrebse – fällt zuweilen auch über Aas her, was an winzige Piranhas erinnert. Gleichzeitig ist sie eine begehrte Beute für Forellen, Hechte, Eisvögel und Wasserspitzmäuse. Fehlt die Elritze, kann das gesamte Ökosystem aus dem Gleichgewicht geraten.

Elritzen sind entsprechend ein verlässlicher Gradmesser für die Wasserqualität: Wo der kleine Fisch in intakten Schwärmen vorkommt, ist das Gewässer meist noch lebendig, unverbaut und strukturreich – genau das, was das Label Gewässerperle PLUS schützt und auszeichnet.