Gewässerperle PLUS
Zertifizierungsfeier für den Rì di Lodano in Lodano am 9. August 2026 © WWF Schweiz

Wie der Rì di Lodano zur zertifizierten Gewässerperle wurde

Eine aussergewöhnliche Artenvielfalt, ein weitgehend unberührter Lauf und ein Tal von historischer Bedeutung: Der Rì di Lodano im Maggiatal trägt neu das Label Gewässerperle PLUS. Ein Rückblick auf den partizipativen Prozess, der zu dieser Auszeichnung geführt hat.

Vor wenigen Tagen konnte mit dem Rì di Lodano ein weiteres Gewässer mit dem Label Gewässerperle PLUS ausgezeichnet werden. Die Zertifizierung ermöglicht den langfristigen Schutz des über weite Teile unbeeinträchtigten Flusses im Maggiatal. Gleichzeitig wird die Verbindung der regionalen Bevölkerung zu ihrer Umgebung gestärkt. So ist eine Zertifizierung eine Einladung, gemeinsam auf eine Reise zu gehen. Denn das Kernstück ist ein Entwicklungsplan; für den Rì di Lodano wurde dieser in einem partizipativen Prozess mit zwei Workshops im März und April 2026 gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung erarbeitet.

Erster partizipativer Workshop in Lodano am 27.3.2026 mit 12 motivierten Teilnehmenden © WWF Schweiz

Ein Workshop mit Weitblick

Am Workshop wurde bewusst auf eine breite Durchmischung der Teilnehmenden in Bezug auf Alter und Hintergrund gesetzt. Die Teilnehmerin Rachel Arnaud nahm dies als grosse Stärke wahr. In positiver Erinnerung blieb ihr zudem die offene und bereichernde Diskussionskultur.

Besonders deutlich wurde im Workshop, dass der Rì di Lodano weit mehr als nur ökologischen Wert besitzt. So sagt Rachel Arnaud: «Naheliegenderweise steht der Schutz von Natur und Lebensraum im Vordergrund, doch im Falle des Lodano-Tals spielt auch die historische Bedeutung des Flusses eine wichtige Rolle. Tatsächlich war der Fluss als Naturkraft ein prägendes Element und ich finde es positiv, dass auch dieser Aspekt hervorgehoben wurde.»

Unterstrichen wird der natürliche Aspekt durch die alten Buchenwälder im Lodano-Tal, die zum UNESCO-Welterbe gehören. Zwei Auszeichnungen, die sich gegenseitig bereichern – und die Region gemeinsam als schützenswerten wie erhaltenswerten Naturraum ausweisen.

Der Rì di Lodano © G. Aebli / WWF Schweiz

Von der Diskussion zur Zertifizierung

Aus den Ergebnissen des ersten Workshops entstand in der Folge der Entwicklungsplan, der die Basis für die Zertifizierung bildet. Diese Massnahmen wurden am zweiten Workshop im April vorgestellt, diskutiert und finalisiert. Der Entwicklungsplan umfasst 16 Massnahmen für die kommenden fünf Jahre. Da die Bewertung des Baches gezeigt hat, dass sich der Wasserlauf in ausgezeichnetem Zustand befindet, beziehen sich die wichtigsten Massnahmen auf die Kommunikation und die Sensibilisierung der Bevölkerung über den Wert natürlicher Bäche – insbesondere unter Einheimischen, Tourist:innen und Schülerinnen und Schülern der Schulen in der Maggia-Talregion. Hinzu kommen Massnahmen in anderen Bereichen, wie dem Schutz und der Verbesserung von Biotopen, dem Management von totem Holz und Neobiota, der Förderung und Bereitstellung von Freizeitaktivitäten sowie der Forschung.

«Der Rì di Logano wurde für seinen aussergewöhnlichen naturnahen Zustand ausgezeichnet, vor allem aber auch für das grosse Engagement der Gemeinde Lodano beim Schutz ihres Flusses», meint Pietro Garzoli, Projektmitarbeiter von WWF Svizzera Italiana. Der Zertifizierungsprozess sei von allen Beteiligten mit Begeisterung vorangetrieben worden und innert Rekordzeit konnte das Antragsdossier für das Label beim Verein Gewässerperlen eingereicht werden. «Ein grosses Dankeschön an alle Beteiligten!»

Auch Rachel Arnaud, die sich als Biologin auch mit Umweltbildung beschäftigt, sieht in der Zertifizierung des Rì di Lodano eine grosse Bereicherung für das Tal, insbesondere auch bei der Sensibilisierung von Kindern für die Thematik.

Der Rì di Lodano zeigt exemplarisch: Die Zertifizierung mit dem Label Gewässerperle PLUS ist nicht nur ein Gewinn für den Gewässerschutz, sondern auch für den Zusammenhalt und die Identifikation der Bevölkerung mit ihrer Region.

Im Bild v.l.n.r.: Walter Wagner, Verein Gewässerperlen; Fabrizio Sacchi, Gemeinde Maggia; Lorenzo Franscioni, Präsident Ortsbürgergemeinde Lodano; Ruedi Bösiger, Verein Gewässerperlen